Block H · Kennzahlen, Bewertung & Risiko
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Unabhängige Arbeitsunterlage. Genannte Produkt- und Funktionsnamen sind Marken ihrer jeweiligen Inhaber. Keine Anlageberatung.
Kennzahlen sind Verdichtungen; nützlich zum Vergleichen, gefährlich ohne Kontext; jede Kennzahl beantwortet genau eine Frage und keine andere.
95 · KGV (P/E)
Definition: Kurs je Aktie / Gewinn je Aktie; auf Basis vergangener (trailing) oder erwarteter Gewinne (forward).
Verwendung: Schnellster Bewertungsvergleich innerhalb einer Branche.
Interpretation: Nur im Peer- und Historienvergleich sinnvoll; Wachstums- und Zinsniveau bestimmen das "faire" KGV mit.
Typischer Fehler: KGVs über Branchen hinweg vergleichen; Zykliker am Gewinnhoch für billig halten.
Siehe auch: 96 · KBV (P/B) · 104 · Gewinnwachstum (EPS Growth, PEG) · 35 · Value vs. Growth
96 · KBV (P/B)
Definition: Kurs / Buchwert des Eigenkapitals.
Verwendung: Banken, Versicherer, kapitalintensive Firmen; Substanzmaß.
Interpretation: <1 signalisiert Marktzweifel an der Substanz oder Ertragskraft; bei Tech wenig aussagekräftig (immaterielle Werte).
Typischer Fehler: KBV bei asset-leichten Geschäftsmodellen anwenden.
97 · KUV (P/S)
Definition: Marktkapitalisierung / Umsatz.
Verwendung: Junge/verlustreiche Firmen ohne Gewinn; Krisenvergleiche.
Interpretation: Nur zusammen mit Margenpfad sinnvoll; Umsatz ist nicht gleich Ertrag.
Typischer Fehler: Hohe KUVs mit "Wachstum rechtfertigt alles" abtun.
98 · EV/EBITDA
Definition: Unternehmenswert (Marktkap. + Nettoschulden) / operatives Ergebnis vor Abschreibungen.
Verwendung: Kapitalstrukturneutraler Vergleich; M&A-Standardmaß.
Interpretation: Robuster als KGV bei unterschiedlicher Verschuldung; EBITDA ignoriert Investitionsbedarf.
Typischer Fehler: EBITDA mit Cashflow verwechseln; Capex fehlt.
99 · Dividendenrendite & Ausschüttungsquote
Definition: Dividende/Kurs bzw. Dividende/Gewinn.
Verwendung: Ertragsplanung; Nachhaltigkeitscheck der Ausschüttung.
Interpretation: Quote >80-100 % selten dauerhaft haltbar; Rendite immer mit Quote zusammen lesen.
Typischer Fehler: Siehe Block C; Rekordrenditen als Geschenk lesen.
Siehe auch: 36 · Dividendenstrategien
100 · Free Cashflow & FCF-Rendite
Definition: Operativer Cashflow minus Investitionen; FCF/Marktkap. als Rendite.
Verwendung: "ehrlichste" Ertragskennzahl; Cash lügt selten.
Interpretation: Dauerhaft positiver FCF finanziert Dividende, Buybacks, Schuldenabbau; negativer FCF braucht Kapitalmarkt.
Typischer Fehler: Gewinn ohne Blick auf Cash-Konversion glauben.
101 · ROE/ROIC
Definition: Gewinn / Eigenkapital bzw. operativer Gewinn nach Steuern / investiertes Kapital.
Verwendung: Qualitätsmaß; verdient das Unternehmen seine Kapitalkosten?
Interpretation: ROIC > WACC schafft Wert; ROE ist durch Verschuldung hebelbar (verzerrt).
Typischer Fehler: Hohen ROE feiern, der nur aus Leverage stammt.
102 · Verschuldungsgrad (Net Debt/EBITDA)
Definition: Nettoschulden / operatives Ergebnis; Jahre bis zur theoretischen Entschuldung.
Verwendung: Standard-Bonitätsmaß; Covenant-Größe.
Interpretation: <1 komfortabel, >3-4 angespannt (branchenabhängig); IG-Ratings verlangen typ. niedrige Werte.
Typischer Fehler: Leasing-/Pensionsverbindlichkeiten übersehen.
103 · Zinsdeckungsgrad
Definition: Operatives Ergebnis / Zinsaufwand.
Verwendung: Kurzfrist-Check der Schuldentragfähigkeit.
Interpretation: <2 kritisch; bei Floater-Lastigkeit zinssensibel.
Typischer Fehler: Im Niedrigzins gemessene Deckung fortschreiben.
104 · Gewinnwachstum (EPS Growth, PEG)
Definition: Wachstumsrate des Gewinns je Aktie; PEG = KGV / Wachstum.
Verwendung: Wachstums-Bewertungs-Relation vergleichen.
Interpretation: PEG ~1 als grobe Daumenregel; Qualität des Wachstums (organisch vs. Buyback) prüfen.
Typischer Fehler: Analystenschätzungen ungeprüft fortschreiben.
105 · Rendite auf Verfall (YTM) / Yield to Worst
Definition: Interner Zinsfuss einer Anleihe bis Fälligkeit (YTM) bzw. zum ungünstigsten Kündigungstermin (YTW).
Verwendung: DIE Vergleichsgröße für Anleihen.
Interpretation: Unterstellt Wiederanlage der Kupons zum selben Satz; bei kündbaren Papieren zählt nur YTW.
Typischer Fehler: YTM bei Callables ausweisen (siehe Block B).
Siehe auch: 106 · Kupon vs. Rendite (Unterschied) · 107 · Duration & Modified Duration · 19 · Nachranganleihen (Tier 2)
106 · Kupon vs. Rendite (Unterschied)
Definition: Kupon = vertragliche Zinszahlung auf Nominal; Rendite = Gesamtertrag inkl. Kursdifferenz zum Kaufpreis.
Verwendung: Grundlagenverständnis jeder Anleiheentscheidung.
Interpretation: Kurs über 100: Rendite unter Kupon und umgekehrt.
Typischer Fehler: Hohen Kupon mit hoher Rendite verwechseln (Kaufkurs!).
Siehe auch: 105 · Rendite auf Verfall (YTM) / Yield · 23 · Floater (variabel verzinst)
107 · Duration & Modified Duration
Definition: Kapitalgewichtete Bindungsdauer bzw. daraus abgeleitete Zinssensitivität (siehe Vorspann Kap. 5-B).
Verwendung: Zentrales Zinsrisikomaß für Titel und Portfolio.
Interpretation: Portfolio-Duration = gewichteter Schnitt; aktiv steuerbar via Futures/Swaps.
Typischer Fehler: Duration als exakt statt als Näherung erster Ordnung behandeln (große Zinsschritte: Konvexität nötig).
Siehe auch: 108 · Konvexität · 146 · Duration-Steuerung & Bond-Ladderin · 27 · Langläufer (>10 Jahre)
108 · Konvexität
Definition: Krümmung der Kurs-Zins-Beziehung; Korrektur zweiter Ordnung zur Duration.
Verwendung: Präzision bei großen Zinsbewegungen; Vergleich von Strukturen (Callables: negative Konvexität).
Interpretation: Positive Konvexität = Kurs steigt stärker als er fällt; wertvoll und im Preis enthalten.
Typischer Fehler: Negative Konvexität von MBS/Callables ignorieren.
Siehe auch: 107 · Duration & Modified Duration · 29 · MBS/ABS (Verbriefungen)
109 · Spread (G-Spread, Z-Spread, OAS)
Definition: Renditeaufschlag zur Referenz; zur Staatskurve (G), zur Swapkurve barwertig (Z), optionsbereinigt (OAS).
Verwendung: Kreditrisiko-Preis; Relative Value zwischen Anleihen.
Interpretation: Spreadänderung wirkt wie Zinsänderung mal Spread-Duration auf den Kurs.
Typischer Fehler: Spreads verschiedener Referenzkurven mischen.
Siehe auch: 15 · Unternehmensanleihen Investment Gr · 16 · High Yield (Hochzins) · 118 · S&P Global Ratings (Skala AAA-D)
110 · Volatilität (historisch/implizit)
Definition: Schwankungsintensität der Renditen; implizit = aus Optionspreisen abgeleitete Erwartung.
Verwendung: Risikomaß, Optionsbewertung, Marktstimmung (VIX).
Interpretation: Annualisiert; implizite > historische Vol = Markt zahlt Angstprämie.
Typischer Fehler: Volatilität mit Verlustrisiko gleichsetzen; sie misst beide Richtungen.
Siehe auch: 112 · Sharpe Ratio · 116 · Value at Risk (VaR) · 160 · Tail Risk, Schiefe & Kurtosis (war
111 · Beta & Alpha
Definition: Beta = Sensitivität zum Markt; Alpha = Rendite jenseits des Beta-gerechten Ertrags.
Verwendung: Risiköinordnung (Beta) und Managerleistung (Alpha).
Interpretation: Beta 1,2 = 20 % stärkere Marktbewegung; Alpha nur gegen passende Benchmark messbar.
Typischer Fehler: Alpha ausweisen, das nur Beta zu einem anderen Faktor ist.
Siehe auch: 114 · Information Ratio & Tracking Error · 137 · Indizes & Benchmarks (Konstruktion
112 · Sharpe Ratio
Definition: (Rendite - risikofreier Zins) / Volatilität.
Verwendung: Risikoadjustierter Vergleich von Strategien/Fonds.
Interpretation: >1 gut, >2 selten dauerhaft; nur bei ähnlichen Strategien vergleichbar.
Typischer Fehler: Sharpe bei schiefen Verteilungen (Optionsverkauf!) für bare Münze nehmen.
Siehe auch: 113 · Sortino Ratio · 114 · Information Ratio & Tracking Error · 110 · Volatilität (historisch/implizit)
113 · Sortino Ratio
Definition: Wie Sharpe, aber nur Abwärtsvolatilität im Nenner.
Verwendung: Fairere Sicht auf asymmetrische Strategien.
Interpretation: Deutlich > Sharpe = Schwankung kommt v.a. von oben.
Typischer Fehler: Downside-Schwelle (0 % vs. Zielrendite) nicht beachten; Werte sind sonst nicht vergleichbar.
114 · Information Ratio & Tracking Error
Definition: Aktive Rendite / aktive Risiko (Standardabweichung der Abweichung zur Benchmark = Tracking Error).
Verwendung: Qualität aktiver Manager; Mandatssteuerung (TE-Limits).
Interpretation: IR > 0,5 über Jahre ist stark; TE zeigt, wie "aktiv" wirklich gemanagt wird.
Typischer Fehler: Niedrigen TE bezahlen wie aktives Management ("Closet Indexing").
Siehe auch: 111 · Beta & Alpha · 137 · Indizes & Benchmarks (Konstruktion
115 · Maximum Drawdown
Definition: Größter Wertverlust vom Hoch zum folgenden Tief.
Verwendung: Verlusttoleranz-Check; realistischere Risikoansprache als Volatilität.
Interpretation: Mit Erholungsdauer zusammen betrachten.
Typischer Fehler: Historischen Max-Drawdown als Obergrenze für die Zukunft ansehen.
Siehe auch: 162 · Drawdown-Management & Stop-Loss-Lo · 110 · Volatilität (historisch/implizit)
116 · Value at Risk (VaR)
Definition: Verlust, der mit x % Wahrscheinlichkeit in Periode t nicht überschritten wird (z.B. 99 %/10 Tage).
Verwendung: Standard-Risikomaß in Regulierung und Limitsystemen.
Interpretation: Sagt NICHTS über die Verlusthöhe jenseits der Schwelle (dafür: Expected Shortfall).
Typischer Fehler: VaR als "maximaler Verlust" kommunizieren.
Siehe auch: 158 · Stresstests & Szenarioanalysen (hi · 160 · Tail Risk, Schiefe & Kurtosis (war · 151 · Risikoarten im Überblick (Markt-,
117 · Korrelation & Diversifikationseffekt
Definition: Gleichlauf zweier Renditereihen (-1 bis +1); Basis des Diversifikationsnutzens.
Verwendung: Portfoliokonstruktion; Klumpen-Erkennung.
Interpretation: Korrelationen sind instabil und steigen im Crash ("Correlation goes to 1").
Typischer Fehler: Mit Schönwetter-Korrelationen für den Sturm planen.
Siehe auch: 142 · Diversifikation & Klumpenrisiken · 161 · Risikobudgetierung & Risk Parity